Wenn das Leben einer Erzieherin nichts mehr wert ist

Als Erzieherin heißt es: Klappe halten und funktionieren – asmira.de (Bild von Engin Akyurt auf Pixabay)

Lockdown. Über 500 Neu-Infizierte Personen pro Tag in Hamburg. Der Einzelhandel muss schließen. 

Die Kindertageseinrichtung ist für alle offen – es herrscht normaler Regelbetrieb.

Ein Bewegungsradius wird eingeführt. Touristische Tagesausflüge sind nicht mehr erlaubt. Man darf sich nur noch mit einer weiteren Person aus einem anderen Haushalt treffen.

Die Kindertageseinrichtung ist für alle offen – es herrscht normaler Regelbetrieb.

Wusstest du, dass in der Kindertageseinrichtung 12 bis 25 Kinder pro Gruppe betreut werden? Also 12 bis 25 verschiedene Haushalte eingepfercht auf 25 qm Fläche. Gelegentlich kann gelüftet werden aber die Kinder dürfen sich auch nicht erkälten. Es herrscht Maskenpflicht, doch erklär‘ das dem gerade mal acht Monate alten Krippenkind, was dich mit Maske nicht wiedererkennt und Angst hat.

Druck darf bei der KiTa ausgeübt werden

Das bringt für mich die Frage auf: Warum also ist ganz Deutschland im Lockdown, jedes Leben zählt und soll möglichst vor Corona geschützt werden, doch Erzieherinnen werden an die Corona-Front gebeten? Und hierfür erhalten Sie einen Lappen (manchmal auch Maske genannt), um sich vor den Viren „zu schützen“? Warum sollen bitte alle möglichst von zu Hause aus arbeiten, das zu Hause -wenn’s nicht unbedingt notwendig ist- nicht verlassen bzw. nur im maximalen Umkreis von 15 km, Schulkinder sollen von zu Hause aus lernen, aber Erzieherinnen sollen bitte möglichst alles beim Alten belassen? Und wehe der Kindertageseinrichtung die vorausschauend an die Eltern appelliert, die Kinder wenn es geht möglichst zu Hause zu lassen. Hierfür kommt nur eine Drohung seitens des Senats die Eltern gefälligst nicht unter Druck zu setzen, ansonsten werde eben diese KiTa „gemeldet“. Das heißt für mich: Okay, bitte niemandem gegenüber Druck ausüben, aber naja der KiTa gegenüber muss halt Druck ausgeübt werden, die hat zu funktionieren ohne zu Murren ansonsten werden sie gemeldet / angezeigt / darf bald schließen…? 

Es heißt für Erzieherinnen: Klappe halten und funktionieren!

Eigene Interpretation der vom Hamburger Senat entwickelten „Lösung“ für KiTas.

Wenn das Leben aller anderen also wertvoller ist, als das einer Erzieherin, heißt es Klappe halten und funktionieren. Egal, ob Corona für die Erzieherin selbst oder ihre im Haushalt mitlebenden Menschen lebensbedrohlich ist oder nicht. Wenn es also wichtiger ist, dass die Firma XY genug Mitarbeiter hat, die sich nicht um ihre Kinder kümmern müssen, damit eben diese Mitarbeiter genug Gewinn erwirtschaften, dann heißt es Klappe halten und funktionieren. Wenn Erzieherinnen so wichtig sind, mit einem Lappen vorm Gesicht an die forderste Front geschickt werden, und das für max. 2.000€ netto (kurz im Vergleich: Ein Mitarbeiter im Vertrieb, der zu Hause sitzt und keiner Lebensgefahr durch Corona ausgesetzt ist, verdient bis zu 3.387€ netto im Monat), heißt es Klappe halten und funktionieren.

Liebe Hamburger Senatoren, vielen Dank, dass wir jetzt nur noch von 8 bis 15 Uhr arbeiten müssen. Bzw. wenn die Eltern einen triftigen Grund haben, dann müssen wir halt doch noch länger ran. So sind wir eins A vor dem Virus geschützt. Mein Leben und das Leben meiner im Haushalt lebenden Mitmenschen lege ich gerne in die Hände von Sentaoren, die zu Hause vor ihrem Laptop sitzen und versuchen sich grandiose Lösungen für die Wirtschaft auszudenken. Warum sich auch allumfassendere Lösungen ausdenken, um auch das Leben von Erzieherinnen zu schützen? Die an forderster Front kämpfenden Menschen kann man doch einfach noch mehr Druck setzen. Klappe halten und funktionieren, richtig Damen und Herren Sentor*innen? Professionalität und Weitsichtigkeit olé. 

Danke an die Senatoren und ihr Kollegium, für die ein Erzieherinnen-Leben nichts mehr wert ist (bitte stellen Sie sich vor wie ich an dieser Stelle euphorisch in die Hände klatsche – nicht).