Empathin: Ich fühle das, was du fühlst

Empath: Was das ist und was du als Empath tun kannst, damit es dir besser geht.
Empath (Bild: Grae Dickason auf Pixabay)

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Ich bin also eine Empathin. Woher ich das weiß und was ein Empath genau ist, erkläre ich dir hier. Außerdem habe ich ein paar Tipps für dich als Empath wie du besser im Alltag klarkommst.

Von einem Tag auf den anderen war mir alles zu viel. Überall war es mir zu laut, zu viele Menschen, zu viele Eindrücke, Gerüche, Lichter, Geräusche. Nur zu Hause war ich einigermaßen entspannt und innerlich ruhiger. Es fühlte sich so an, als hätte ich alle meine Filter, die normalerweise die Geräuschkulisse um mich herum herausfiltern, sodass ich mich zum Beispiel auf das Gespräch mit einer Freundin im Restaurant konzentrieren kann, verloren. Als wären diese Filter nicht mehr existent. Als würde alles einfach auf mich einströmen. Und nicht nur das. Auch die Gefühle von den anderen habe ich plötzlich und mit aller Wucht wahrgenommen.

Als Hamburgerin bin ich normalerweise selten bis gar nicht an meinen Mitmenschen interessiert, deswegen lebe ich in einer Großstadt, damit ich in der Anonymität untergehen kann. Doch von heute auf morgen, wusste ich, wie es den Menschen im Supermarkt ging, wie SEHR sie genervt von der Warteschlange waren, wie WÜTEND sie auf ihre Kinder in dem Augenblick waren, wie GESTRESST sie von der Arbeit oder vom Leben waren. Und diese Emotionen gingen auf mich über. Warum ließen die mich nicht einfach in Ruhe?! 

Der Alltag war die Hölle für mich als Empath

Ich habe es immer wieder versucht mich in Supermärkten aufzuhalten. Eigentlich eine ganz „normale“ Aktivität, oder? Lebensmittel einkaufen, aufs Fließband rauf, vom Fließband runter und ab nach Hause. Doch für mich war es eine Tortur. Ins Restaurant gehen ebenfalls. Zu viele Reize, zu laute Musik, zu viele Menschen, zu viele Emotionen, zu viele Eindrücke. Und das alles habe ich in mich aufgesogen wie wenn ein kleiner Schwamm den Ozean versucht aufzusaugen. Alles war zu viel. Ich drohte bei jedem Einkauf oder beim Essengehen von einer Panikattacke übermannt zu werden. Meinem Körper tat es nicht gut und mir auch nicht. Ich war verzweifelt. Ein normaler Alltag war kaum denkbar.

Es ist als würdest du mit einem kleinen Schwamm versuchen den gesamten Ozean aufzusaugen.

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Daraufhin habe mir erstmal eine Auszeit gegönnt und versucht zu verstehen, was mit mir los ist, warum ich solchen „normalen“ Tätigkeiten gar nicht mehr nachgehen kann. Schließlich war ich vorher jeden Tag mit der Bahn unterwegs und jetzt ging gar nichts mehr. Zunächst galt es mich besser zu verstehen. Nach längeren Recherchen bin ich auf (hoch-)sensible Menschen und Empathen gestoßen. Ich konnte mich schon immer gut in andere Leute hineinversetzen, kann doch jeder, oder? Bei mir geht es jedoch einen Schritt weiter.

Was sind Empathen

Judith Orloff, die Autorin des Buches „Wenn dir alles unter dir Haut geht„, beschreibt Empathen als „Super-Responder“. Neurologisch haben sie ein extrem reaktionsfähiges System. Empathen besitzen bestimmte Filter, die „normale“ Menschen etabliert haben, um sich vor Reizen abzuschirmen, nicht. Deswegen nehmen Empathen vieles an Energien / Emotionen von bspw. anderen Mitmenschen auf, ohne dass diese sich dazu aktiv geäußert hätten. Gibt es jemanden in deiner Bekanntschaft, den du als „sehr empfindlich“ einstufen würdest und der / die sich mal „dickeres Fell“ aneignen sollte? Dann sind das wahrscheinlich genau die Menschen, die auch zu einer Kategorie der Empathen gehören. 

Wenn es jemandem gibt, der „ganz schön sensibel“ ist, oder sich mal „dickeres Fell aneignen sollte“, dann es ist wahrscheinlich auch ein Empath.

@asmira.de

Auf der einen Seite ist dieses Vermögen, Dinge wahrzunehmen, die andere nicht spüren, von Vorteil. Beispielsweise, wenn du ein Vorstellungsgespräch hast und von vornherein merkst, dass irgendwas nicht stimmt und das Unternehmen / die Chefin / die Aufgabe nicht zu dir passen. Das heißt du merkst es direkt, ohne dass du erst nach mehren Monaten Arbeit in ein tiefes Loch fällst, weil die Umgebung einfach nicht passt.

Außerdem hilft es dir dabei zu spüren, dass es deiner Freundin schlecht geht und sie sich nicht traut über ihre Gefühle zu sprechen. Durch dein Gespür kannst du stattdessen den ersten Schritt für sie machen und ihr sagen, was bei dir für Emotionen ankommen. Das hilft ihr sich dir zu öffnen, denn sie ganz sich eines guten Zuhörers sicher sein mit dir. Alles Situationen, die dir selbst oder den vertrauten Menschen um dich herum helfen können. 

Für manche ist es einfach ein netter Abend, für dich als Empath entpuppt sich daraus ein emotionaler Kater

Was aber, wenn du mit Freunden in einer Bar verabredet bist und du dein eigenes Wort nicht verstehst, die Musik bis in dein Gehirn dröhnt und der Geruch von Zigarettenqualm dir den letzten Atmen nimmt. Oder aber du in der Bahn jeglichen (unterdrückten) Emotionen der Fahrgäste in deiner Nähe aufnimmst wie ein Schwamm und du von deinem vorher fröhlichen Dasein nach der Bahnfahrt plötzlich tief traurig oder wütend wirst? Oder der eigentlich nette Mädelsabend dazu führt, dass du zu Hause kaum runterfahren kannst, schlecht schläfst und am nächsten Tag einen „emotionalen Kater“ hast?

Überwaltigt als Empath asmira.de Achtsamkeit im Alltag
Überwältigt als Empath (Bild: Daniel Reche auf Pixabay)

Auf Dauer sind das zumindest keine schönen Erfahrungen. Du bist die ganze Zeit damit beschäftigt dich wieder zu regenerieren von den ganzen Energievampieren und -absorbern und hast kaum Kraft für dich und die Dinge, die dir Spaß machen. Und nochmal: Mein Leben war vorher geprägt von Großraumbüros, (Fern-)Bahnfahrten, abends Cocktails trinken gehen mit Kollegen oder Freunden etc. Also eigentlich ein „normales“ Leben. Und von quasi heute auf morgen ging gar nichts mehr von dem. Am Anfang war ich so erschrocken, dass ich mich zu Hause verbarrikadiert habe und mit niemanden etwas zu tun haben wollte. Zu gering war meine Kraft für mich selbst geschweige denn für andere. Doch irgendwann kam die Einsamkeit und ich merkte, dass das auch keine Dauerlösung ist.

Der Schritt-für-Schritt Weg in meine eigene Balance als Empath 

Nachdem ich also wusste, dass weder das eine Extrem (also Großraumbüro, Restaurants, Supermärkte) noch das andere Extrem (zu Hause allein vor mich hinvegetieren) funktionierte, musste eine bessere Mittelweg-Lösung her. Mein Ziel war es zumindest wieder ohne große Anstrengung einkaufen gehen und ab und zu am „normalen“ Leben teilhaben zu können. So bahnte ich mir Stück für Stück meinen Weg durch den Emotionswust. Zunächst hatte ich nur einen guten Freund oder Freundin zu Besuch. Zu Hause war ich sicher und wusste immer, wie ich ein bisschen Ruhe zwischendurch kriegen konnte, wenn mir das zu viel wurde. Auch habe ich meinen Freunden erklärt, dass es nichts mit ihnen zu tun hat, aber dass ich schnell müde werde und um ihr Verständnis gebeten. Danke an dieser Stelle nochmal an alle, die das Verständnis in meinem Experimentier-Weg aufgebracht haben :*

Verständnis von anderen und ein kurzes Eintauchen in die stressigen Situationen helfen Empathen

So habe ich also auch nach kurzen Besuchen von zwei Stunden die Leute dann höflich gebeten zu gehen, weil es mir dann zu viel wurde. Oder ich habe den Besuch kurz allein gelassen und zwischendurch Atemübungen gemacht. Auch habe ich immer wieder den Check zwischendurch gemacht: Wie geht es mir gerade? Was brauche ich gerade? Wessen Emotionen sind das gerade, die ich spüre?

Beim Einkaufen bin ich ähnlich verfahren. Erst war ich nur ganz kurz im Supermarkt und bin schnell wieder raus, um dann zu gucken wie es mir damit erging. Dann habe ich versucht mich durch aktive Filter, die mir offensichtlich fehlten, zu schützen (Ohrhörer mit beruhigender Musik, Atemübungen, um mich ins Hier und Jetzt zu holen, Mantras im Kopf aufgesagt, um mich zu beruhigen und auf mich zu fokussieren, Wasser trinken, ätherische Öle zur Beruhigung vorher auf Schläfen verteilt etc.). Wenn ich nach dem Einkauf zu fertig war von den Eindrücken, habe ich mir einfach eine Auszeit gegönnt. So konnte ich meine Aufenthalte im Supermarkt immer mehr ausweiten bis ich vor, während und nach dem Einkaufen ein halbwegs „normales“ Gefühl hatte, ohne mich danach wie gerädert zu fühlen. 

Restaurant-Besuche waren da schon schwieriger – vor allem in der Großstadt ist jedes Restaurant überfüllt. Deswegen fing ich hier mit kurzen Aufenthalten nur mit einer Person irgendwo in kleineren Städten außerhalb von Hamburg an. Sobald ich das Gefühl hatte, dass mir das Gerede, die Musik, die Unterhaltung, zu viel wurde, bin ich an die frische Luft oder habe die Person gebeten, dass wir zahlten und früh gingen. Auch hier habe ich mich Stück für Stück weiter vorgetastet und immer geguckt, was mir gut tut und was nicht. Auch heute noch machen mir Restaurant-Besuche wegen der Musik, den vielen Menschen und dem lauten Geräuschpegel nur wenig Spaß, weswegen ich versuche sie zu vermeiden. Viel lieber treffe ich mich mit meinen Freunden draußen in der Natur oder zu Hause.

Mein Resümee: Nach monatelangem Training habe ich es geschafft, wieder etwas mehr an der „normalen“ Gesellschaft teilzuhaben. So richtige Freude verbinde ich mit Supermarkt- und Restaurant-Besuchen nicht, doch zumindest muss ich sie nicht mehr kategorisch ausschließen. Ich bin noch relativ am Anfang meines Weges und es werden immer wieder neue Dinge hinzukommen. Wer weiß, vielleicht machen wir Restaurant-Besuche irgendwann wieder Spaß? Nichtsdestotrotz wollte ich dir jetzt schon einmal sagen: Du bist nicht allein! Und ich wollte meine ersten Erfahrungen mit dir teilen. Was du als sensibler Mensch oder auch Empath tun kannst, um wieder mehr an dem gesellschaftlichen Geschehen teilhaben zu können, habe ich dir im Folgenden zusammengefasst.

Deine Balance Schritt für Schritt Anleitung als Empath asmira.de Achtsamkeit im Alltag
Schritt für Schritt Anleitung als Empath für deine Balance (Bild: Shahariar Lenin auf Pixabay)

Was du als Empath tun kannst, damit es dir im Alltag besser geht

1. Denk immer daran: Du musst nichts, du kannst alles. 

Das bedeutet: Finde für dich heraus, was du malwieder gern tun würdest, was dir Spaß bringen könnte. Du musst nicht das machen, was alle anderen machen. Wenn du kein Bar-Typ bist, dann bist du das eben nicht. Zwing dich nicht in eine Rolle rein, die nicht zu dir passt. Natürlich gibt es notwendige Übel wie das Einkaufen gehen, aber versuche dir auch hier die Aufenthalte so angenehm wie möglich zu gestalten. 

2. Selbstfürsorge & Intuition

Achte auf deine Intuition, sie weiß genau, was du brauchst. Denn das haben wir Empathen: Eine ausgeprägte Intuition. Und wenn du unvoreingenommen auf sie hörst, dann weißt du, was zu tun ist und was du lieber lassen solltest. Du bist heute zu kaputt fürs Einkaufen? Dann geh eben morgen oder bestell dir Lebensmittel über einen Online-Händler. Du brauchst gerade einen ruhigen Abend zu Hause? Dann gönn‘ ihn dir und sag den Cocktail-Abend ab. Tu‘ das, was dein Körper und deine Seele gerade brauchen. Weitere Tipps zum Thema Selbstliebe findest du hier.

3. Detox nach einem persönlichen Treffen

JEDES Treffen ist für Empathen anstrengend. Sei es das Treffen mit engen Freunden, fernen Bekannten oder nervigen Kollegen. Es ist immer anstrengend. Denn es sind immer Emotionen der anderen spürbar, es sind immer irgendwelche Nebengeräusche da und es wird immer anstrengend sein. Deswegen achte darauf, dass du nicht allzu lange weg bleibst vor allem abends nicht, damit du es vorher schaffst wieder runterzukommen.

Manchmal reichen einfach schon zwei Stunden, man muss nicht immer die Letzte sein. Nutze schon den Heimweg, um runterzukommen, indem du beispielsweise bewusst atmest. Zu Hause angekommen, versuche deine Routine beizubehalten und nicht noch auf dem Handy die neusten Social Media Feeds zu checken. Bevor du dich schlafen legst, mach eine kurze Meditation, in der du dir vorstellst, wie alle negativen Energien von dir weggespült werden und frische neue Energie durch dich durchfließt. Es ist wichtig, dass du dich erdest, deswegen versuche dir in der Meditation außerdem vorzustellen, wie du tief mit der Erde verwurzelt bist, sie dir Stabilität und Kraft gibt, sodass du in deine Mitte zurück kommst. Nimm Gedanken, die während der Meditation kommen wahr und lass sie weiterziehen, wie die Wolken am Himmel. Nach der Meditation versuche vielleicht noch im Buch etwas zu lesen oder mach dir ein Hörbuch an, zu dem du dann einschlafen kannst.

Allgemeine Tipps zum Umgang mit Stress kannst du hier lesen.

4. Schutzschild

Wenn du auf dem Bahnhof oder in der Bahn unterwegs bist, versuche dir Raum zu schaffen. Versuche den Platz neben dir bspw. frei zu halten, sofern es geht und die Plätze nicht überfüllt sind. Wenn du merkst, dass sich jemand neben dich setzt und dich die Emotionen des anderen direkt anstecken, suche dir einen anderen Platz. Wenn du keine großen Ausweichmöglichkeiten hast, versuche dir einen Schutzschild vorzustellen, der dich umgibt und keine negativen Energien an dich ranlässt, nur positive. Versuche öfter mal die Augen zu schließen und zu atmen, um dadurch ganz bei dir zu sein. 

5. Natur pur

Erdung ist eines der Hauptthemen von Empathen, um bei sich selbst zu bleiben. Das funktioniert in der Natur hervorragend: Beim Spazierengehen im Wald, am Meer oder auf dem Land. Egal wo, Hauptsache es gibt nicht viele Menschen, die dich ablenken könnten und du hast Zeit durchzuatmen. Laut einer Studie sollen bereits 20 Minuten pro Tag in einem Park helfen, dass du dich körperlich und seelisch besser fühlst. 

6. Akzeptanz

Du brauchst nunmal länger, um die Dinge zu prozessieren, die so um dich herum passieren. Du bist nunmal emotionaler / sensibler / you name it. Du brauchst mehr Zeit für dich als andere. Du kannst manche Dinge nicht genießen, die für andere „normal“ sind.  Und weißt du was?! Das ist okay. Es ist okay, dass du so bist und es ist okay, dass die anderen anders sind. Wichtig ist nur, dass du dich selbst auch so annimmst wie du bist.

Die Liste ließe sich beliebig fortführen, doch sie gibt dir erste Anreize, wie du es als Empath besser schaffst mit den Anforderungen in der Welt umzugehen. Ich hoffe die Tipps haben dir geholfen oder dich inspiriert. Auf jeden Fall solltest du wissen, dass du nicht komisch bist, nur weil du anders bist oder fühlst als andere. Ich sehe es mittlerweile nicht mehr als Last sondern als Gabe, weil es meine zwischenmenschlichen Beziehungen enorm verbessert hat und die viel tiefgründiger geworden sind. Außerdem merke ich einfach viel schneller und intensiver, was zu mir passt und was ich lieber lassen sollte. 

Wie sind deine Erfahrungen als Emapth und Tipps für andere Empathen? Lass es mich wissen!