Wann ist die Welt „männlich genug“?

Wann ist die Welt männlich genug? Wie du wieder zurück zu deinem Yin findest. asmira.de

Wann ist die Welt männlich genug und wie du wieder zurück zu deinem Yin findest, liest du hier. (Lesezeit ca. 7 Minuten)

Letztens bin ich über einen inspirierenden TED-Talk von Justin Baldoni gestoßen. Einigen von euch ist er besser bekannt als Rafael aus der Serie Jane the Virgin 🙂 Wer ihn nicht kennt muss ihn sich wie folgt vorstellen: Groß, muskulös und durchtrainiert, volle Haare, nettes Lächeln. Also im Grunde genommen ein „Abbild“ von einem Mann, wie er sein sollte. Umso erstaunlicher, dass er sich in den TED-Talk stellt und sagt: I’m done trying to be „man enough“. Also: Ich höre damit auf zu versuchen männlich genug zu sein. Irgendwie paradox, oder?

Interessanterweise erkenne ich viele von seinen Versuchen „männlich zu sein“ in der -sowohl weiblichen als auch männlichen- Gesellschaft aber auch in mir wieder. Vielleicht würden wir es am Anfang nicht als „männlich“ betiteln, doch es schwimmt die ganze Zeit in unserem Alltag mit. Wie ich dazu komme? Hierfür hole ich ein bisschen weiter aus…

Die Bedeutung von Yin & Yang 

Ebbe und Flut. Schwarz und weiß. Tag und Nacht. Plus und Minus. Berg und Tal. Alles in unserer Welt hat einen Gegenpol. Ohne das Eine würde das Andere nicht existieren oder nicht diese Bedeutung haben, die es hat. So ähnlich funktioniert auch das Prinzip von Yin und Yang. 

Den Ursprung hat das Prinzip in der chinesischen Philosophie – genauer gesagt im Daoismus. Dabei geht es darum, dass zwei gegensätzliche Kräfte existieren, die sich gegenseitig jedoch nicht bekämpfen sondern ergänzen. Nur so entsteht ein Gleichgewicht, eine Balance. Das Yang steht dabei für aktives Geben, Dominanz, Ziele verfolgen, Rationalität, Kontrolle, Ehrgeiz, Machen oder eben auch männlich. Das Yang hilft, Dinge voranzubringen, nicht nur auf der Stelle stehen zu bleiben sondern fortschreiten, in Bewegung sein, um etwas zu erreichen. 

Das Yin ist genau das Gegenteil. Hier geht es um Entspannung, zurück lehnen, träumen, Empathie, Passivität, Intuition, Ruhe, Mitgefühl oder eben auch weiblich. 

Yin und Yang ist in uns allen – egal ob Mann oder Frau – enthalten. Wir alle haben einen bestimmten Ehrgeiz in uns, um Dinge voranzutreiben aber auch den Impuls zur Ruhe zu kommen und zu entspannen – eigentlich.

Ungleichgewicht von Yin & Yang

Eigentlich bedeutet, dass das Potenzial in uns allen drin steckt, doch zur Zeit vor allem in westlichen Ländern, nur ein Pol akzeptiert und gelebt wird: Nämlich, das des „höher, schneller, weiter“-Prinzips, des Yangs. Wir alle kämpfen uns regelrecht durch den Alltag, zeigen Zähne in den Meetings, sind aggressiv im Straßenverkehr, sind in dauernder Bewegung, wollen und erreichen auch immer mehr und sind doch nie zufrieden. Es geht alles immer nur ums schnell, schnell, schnell. To-Do-Listen als Kontrollinstrument bestimmen unseren Alltag, unsere Gefühle werden verdrängt und ganz tief unten in unserer Seele verstaut, selbst der Urlaub dient nicht mehr zur Erholung sondern zur Profilierung. Und wer sich nicht so verhält wird abgehängt, als schwach hingestellt und belächelt. 

Und wie gesagt, es betrifft uns alle. Das Männliche hat im Laufe der Zeit immer mehr Zuspruch erhalten, die Menschen denken sich immer wieder neue Sachen aus, die „männlich“ sind und die man unbedingt tun muss, wenn man „Mann genug“ sein will.

Selbst Frauen leben immer mehr diese Neuinterpretation des „Männlichen“ , um mithalten zu können, um doch noch Führungskraft zu werden oder in den Vorstandsbereich aufzusteigen. Sie tragen Hosenanzüge, um männlicher zu wirken, machen sexuelle Anspielungen, um Dominanz zu zeigen, sind aggressiv im Gespräch, um sich durchzusetzen, saufen sich beim  After-Work die Birne dicht, um cool zu sein. Dass das nichts mehr mit dem ursprünglichen Yang zu tun hat, ist eindeutig.  

Überfrachtung des Yangs

Es handelt sich meiner Meinung nach vielmehr um eine Überkompensation und Überfrachtung des Yangs. Sich immer wieder neue Sachen auszudenken, die angeblich „männlich“ sind und die eigenen Verhaltensweisen so gut neu erlernen, dass es fast „natürlich männlich“ rüberkommt, lautet die Devise. 

Die Menschheit hat mit der Zeit ein „Über-Yang“ entwickelt, um das Yin zu kompensieren. Meiner Meinung nach ist die Welt mittlerweile nicht nur männlich genug, sondern Über-Männlich geworden, also viel zu viel. Soweit schon, dass es der Entwicklung einer gesunden Gesellschaft schadet. 

Dass das auf Dauer nicht funktioniert ist, ist klar. Immer höher, weiter, schneller – doch wohin? Die Ressourcen sind begrenzt, die Welt ist begrenzt, unsere Energie ist begrenzt, wohin soll das alles also insgesamt führen? Es geht nicht darum ab sofort still zu stehen. Es geht vielmehr um eine gesunde Weiterentwicklung.

Denn alles auf unserer Welt sehnt sich nach einem Gleichgewicht, alles sucht und braucht seine Balance. Die Seele schreit nach einem Ausgleich, nach Entspannung und Ruhe, doch wir ignorieren es weg. Solange, bis der Körper sich einschaltet. Deswegen gibt es immer mehr Überforderung, psychosomatische Erkrankungen, Panikattacken, Burnout. Dann können wir die Seele nicht mehr ignorieren und müssen ganz von vorne wieder anfangen zu lernen, was es heißt, zu entspannen, sich gehen zu lassen, vor sich hin zu träumen. 

Die Lösung: Wie du wieder zurück zum Yin und mehr Entspannung findest

Die Gesellschaft mit der Überfrachtung des Yangs verändert sich nicht von heute auf morgen. Schließlich hat es auch sehr lange gedauert, sich zu dem zu entwickeln, was heute präsent ist. Die Menschheit lebt nicht auf einmal wieder mehr im Yin. Das haben wir alle gut verdrängt und müssen erst wieder erlenen, was es heißt, sich zurück zu lehnen. Du kannst aber für dich entscheiden, dich zu verändern, mehr im Yin zu leben, mehr Ausgleich und Entspannung in dein Leben zu bekommen. Du kannst dadurch andere Menschen inspirieren, die wiederum anderen die Augen öffnen. Du kannst einen Beitrag dazu leisten, die Gesellschaft zu verändern, indem du bei dir anfängst.

Und natürlich stellst du dir die die Frage: Aber wie kann ich Führungskraft werden? Wie kann ich mich durchsetzen? Wie soll ich beruflich vorankommen? 

Ich stell dir einmal die  Gegenfrage: Wie lange willst du noch die Symptome deines Körpers ignorieren? Wie lange möchtest du noch ständig kämpfen auf der Arbeit, in deiner Freizeit, mit deiner Familie? Ist der Kampf es wert? Ist es das, was du tagtäglich leben möchtest? Im Kamp? Wie viel Energie möchtest du noch verschwenden, bis deine Batterie völlig bei 0 angelangt bist? Was glaubst du, in wie fern du dann eine gute Führungskraft sein kannst und vorankommst, wenn bei dir körperliche und seelisch gar nichts mehr geht. Wenn du wie gelähmt bist und dein Körper nichts mehr kann außer schlafen und vielleicht noch ein wenig essen?

Versteh mich nicht falsch, nur weil du gerade durchstartest im Job heißt es nicht, dass du automatisch ins Burnout verfällst. Du kannst durchstarten, gönne dir aber zwischendurch Pausen, lass es alles einmal sacken und kümmere dich um deine körperlichen und seelischen Bedürfnisse. Wie das geht und wie du wieder zurück zu mehr Yin findest, zeige ich dir hier:

1. Triff für dich eine Entscheidung

Entscheide dich, was dir gerade wichtiger ist: Eine „old-school“ Karriere oder dein Wohlbefinden? Dein Ego oder deine Gesundheit? Noch mehr Geld, was du nicht ausgeben kannst oder Zufriedenheit? Nur wenn du vom Mindset her bereit bist deinen eigenen Weg zu gehen und aufhörst dich mit anderen zu vergleichen, kannst du diesen Weg zu mehr Yin beschreiten. Das heißt nicht, dass du niemals Karriere machen wirst oder nie Führungskraft wirst, es heißt nur eben zu deinen Konditionen: Möchtest du ein Team leiten aber nur 30 Stunden arbeiten? Dann such dir einen Arbeitgeber, der damit kein Problem hat und dich unterstützt. Zwänge dich nicht in vorgegebene gesellschaftlich anerkannte Muster sondern such für dich die passende Einstellung und Lebensform, die zu dir und deinen Bedürfnissen passt. Was uns zum nächsten Punkt führt…

2. Höre auf deine Bedürfnisse

Du bist leidenschaftliche Malerin? Dann nimm wieder den Block raus und fang an. Du magst es gar nicht ins Fitnessstudio zu gehen, aber Bewegung liebst du? Dann probiere andere Sportarten aus oder geh einfach draußen spazieren. Das wichtigste dabei ist, auf dich und dein Gefühl wieder mehr zu hören, zu fühlen, was du gerade brauchst. Was mir auf meinem Weg geholfen hat, war die Meditation und das Spazieren gehen in der Natur. Ich habe nämlich meine Connection zu meinem Yin völlig verloren. Wenn mich Menschen von außen gefragt haben, wie es mir geht, kam automatisch ein „sehr gut“ über meine Lippen, ohne dass ich nur 1 Sekunde darüber nachgedacht hätte. Bedürfnisse kannte ich nicht, ich kannte nur Pläne, To-Do-Listen, Kontrollen. Durchs Meditieren bin ich mir selbst viel näher gekommen und lerne mich neu kennen. 

3. Setze Prioritäten in deinem Leben

Es geht jetzt nicht darum, nur noch im Bett zu liegen und Netflix zu gucken. Es geht darum mehr Ausgleich in deinem Leben zu schaffen. Das bedeutet aber nicht, dass du keine Ziele mehr im Leben hast und nichts mehr erreichen sollst. Versuche jedoch dir nicht zu viele Ziele auf einmal zu setzen oder verzichte darauf Ziele zu verfolgen, die gar nicht deine eigenen sind. Hinterfrage deinen Status-Quo und versuche zu ergründen, wovon du träumst und wo du eigentlich hin möchtest und in welchem Zeitraum. Versuche nicht alles in einem Monat umzusetzen sondern Stück für Stück. 

Wie steht es um deine Balance zwischen Yin & Yang? Tust du schon was für mehr Entspannung und Ruhe im Alltag oder bist noch völlig im „schnell, schnell“-Modus unterwegs? Lass es mich wissen.