Gefühle

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Lerne deine Gefühle anzunehmen – Asmira.de

Tipps zum Umgang mit Gefühlen. Jeder hat sie, keiner will sie: Gefühle und Emotionen. Über die Jahre lernen wir, diese zu unterdrücken, zu überspielen, eine Maske aufzusetzen, um uns nicht verletzlich oder – nicht auszudenken – uns gar menschlich zu zeigen. 

Schon zu Schulzeiten gibt es die „Schwächlinge“ und „Sensibelchen“, die ständig weinen und Problemkinder sind, bei denn die Versetzung gefährdet ist, weil sie ihre Gefühle offen zeigen können. Oder aber die „Schlägertypen“, „Aggressiven“, die nicht wissen, wohin mit ihrem Frust, und diesen dann darüber kanalisieren, andere zu schlagen oder zu beschimpfen. Schon früh übt sich somit, was von der Gesellschaft akzeptiert wird und was nicht. Hier lernen die Kinder bereits, wie man zu funktionieren hat, um in der Welt zu überleben. Im Studium geht es dann weiter: Jede Klausurenphase nagt am letzten Nerv, doch Augen zu und durch: Möglichst viel Lernen und möglichst gute Noten nach Hause bringen, um später einen möglichst guten Job zu ergattern. Keine Zeit für Gefühle. Stressabbau findet bei den After-Klausuren-Phasen statt, bei denen man sich alkoholtechnisch wochenlang ertränkt. Und dann endlich angekommen im Beruf, jetzt sich selbst verwirklichen, die Welt verändern. Schnell jedoch merkt man, dass vielmehr die Welt einen selbst verändert.

Bloß keine Schwäche zeigen, sonst bist du angreifbar und verletzlich und bleibst genau da, wo du bist

Gerade hier gilt: Keine Wut zeigen, das zeigt, dass du „dich nicht im Griff hast“. Nicht weinen, das zeigt, dass du der Aufgabe nicht gewachsen bist. Nicht frustriert sein, das zeigt, dass du nicht lösungsorientiert bist. Nicht kurz mal durchhängen, das zeigt nur, dass du unmotiviert und nicht engagiert bist. Alles Punkte, die der Vorgesetzte mit Vorliebe in die nächste Gehaltsverhandlung mitnimmt: Gehaltserhöhung und mögliche Weiterentwicklung adé. Also bloß keine Schwäche zeigen, sonst bist du angreifbar und verletzlich und bleibst genau da, wo du bist. Dass das wiederum das Frustrationslevel erhöht, beleuchtet keiner weiter. Einige „innovative“ Unternehmen haben erkannt, dass sie ihren Mitarbeitern helfen können die Gefühle noch mehr zu unterdrücken, damit sie produktiver sein können. Diese führen dann Workshops mit den Mitarbeitern durch. Da geht es darum „über den Dingen zu stehen“, miteinander zu „kommunizieren“, „Lösungen“ zu finden. Wieder werden die Gefühle außer Acht gelassen. Wieder soll der Mitarbeiter perfektioniert werden, kein Mensch mehr sondern lieber eine Maschine sein. Kein Wunder, dass der Frust und der Stresslevel steigt, die Motivation sinkt und die Mitarbeiter sich im Dilemma befinden. Funktionieren und Geld verdienen auf Kosten der eigenen Gefühle und Identität.

Tagsüber Maschine, abends auf der After-Work Party Happy Life

Produktivität hin oder her, Gefühle sind nunmal ein Teil des Menschen und nicht wegzudenken. Ein bemerkenswerter Teil, ohne den ich nicht sein möchte. Denn Gefühle sind das, was uns von den Maschinen unterscheidet. Gefühle helfen uns, Dinge und Situationen zu verarbeiten, sie zeigen uns den Weg auf, den wir gehen sollen. Sie sind das, was uns ausmacht und wofür wir stehen. Ich finde es nur so unglaublich ironisch, dass wir Menschen versuchen diesen tollen Teil in uns zu ignorieren, zu „steuern“ oder auch zu perfektionieren: Tagsüber Maschine, abends auf der After-Work Party Happy Life alles toll. Auf Knopfdruck natürlich. Wir stempeln die Gefühle ab: Freude und positive Aufregung wird halbwegs akzeptiert (aber bitte nur in Maßen und wirklich nur dann, wenn es angebracht ist), Wut, Angst, Trauer werden abgewertet. Das brauchen wir in einer produktiven leistungsorientierten Gesellschaft nicht.

Ein Ball gehört nicht unter Wasser gedrückt, Gefühle gehören nicht wegignoriert

Aber die Gefühle sind ja nicht doof. Selbst wenn wir es schaffen, sie über Jahre zu ignorieren, wegzudrücken oder zu „steuern“, bahnen sich die Gefühle ihren Weg nach draußen. Mit Hilfe des Körpers kommt es dann zu immer mehr Beschwerden: Hautprobleme, Kopfschmerzen oder sogar regelmäßige Migräne, Magen- oder Darmbeschwerden, bishin zu Panikattacken und vielen weiteren Symptomen. Je mehr man sie versucht zu „steuern“, desto mehr und intensivere Beschwerden kommen nach und nach an die Oberfläche. Gefühle wollen und können und vor allem SOLLEN nicht ignoriert werden. Sie sind da, um uns zu helfen, uns zu sagen, was uns gut tut und was nicht. Sie sind kurz da, zeigen uns auf, was wir brauchen, und gehen dann auch wieder. Je mehr man jedoch versucht sie wegzudrücken oder sich plötzlich reinsteigert, desto unangenehmer wird es für uns. Man denke hier an einen Ball, den man versucht unter Wasser zu drücken: Wahnsinn, was wir für Energie aufwenden, um etwas zu tun, was einfach unnatürlich ist. Ein luftgefüllter Ball gehört nicht unter Wasser sondern an Land bzw. auf das Wasser und das ist in Ordnung so. Wir sollten die Gefühle einfach wahrnehmen, annehmen, fühlen und dann wieder gehen lassen. Sie gehören zum Mensch sein einfach dazu: Ohne Wut keine Freude. Ohne Hass keine Liebe. Ohne Trauer keine Fröhlichkeit. Ohne Angst kein Mut.

Tipps zum Umgang mit Gefühlen: Wie ich meine Gefühle mittlerweile annehme

Mir selbst viel es sehr lange auch sehr schwer Gefühle zu zu lassen. Man muss ja schließlich immer funktionieren, bloß keine Schwäche zeigen. Es fiel mir so schwer, dass als ich anfing mich mit dem Thema zu beschäftigen, ich gar nicht wusste WAS ich fühlte. Ich wusste, dass ich zwischendurch mal wütend wurde oder fröhlich war, aber das war auch das „höchste der Gefühle“. Alles andere war irgendwie nicht da. Angst, Trauer, Zweifel – alles habe ich wegignoriert. Als negative Gefühle abgestempelt, die ich nicht fühlen wollte. Stück für Stück bin ich durch Achtsamkeits- und Meditationsübungen meinem Herzen und damit auch meinen Gefühlen immer näher gekommen. Immer mehr verstehe ich, was mir gut tut und was nicht. Immer besser empfinde ich meine Gefühle, nehme sie war und lass sie dann auch wieder gehen. Und es ist okay, ich fühle mich nicht mehr schwach oder verletzlich, nur, weil ich weinen muss. Ich fühle mich nicht „außer Kontrolle“ nur, weil ich mal wütend bin. Ich fühle mich stark, weil ich mit meiner Angst kommuniziere und sie mir zu verstehen gibt, wovor sie mich versucht zu schützen. Die Gefühle gehören dazu und sie helfen mir Dinge zu verarbeiten und meinen Weg zu finden.

Mit „seine Gefühle zeigen“ meine ich natürlich nicht, dass es in Ordnung ist seine Wut oder Frust an anderen auszulassen. Es geht vielmehr darum zu akzeptieren, dass wir alle Gefühle haben und dass es in Ordnung ist, sie zu haben. Dass wir sie zeigen dürfen, ohne gleich abgestempelt oder verurteilt zu werden. Sie gehören schließlich zu uns und helfen uns. Ich wünsche mir einfach ein bisschen mehr Menschlichkeit und weniger Roboter-Dasein. Und anfangen können wir damit nur bei uns selbst.