Jemandem die Schuld geben bedeutet jemand anderem die Macht über dein eigenes Glück zu geben

Jemandem die Schuld geben bedeutet jemand anderem die Macht über dein eigenes Glück zu geben
Jemandem die Schuld geben bedeutet jemand anderem die Macht über dein eigenes Glück zu geben

Viele Menschen leben im Mangel:

Nur, weil meine Familie mich so ätzend behandelt hat in der Vergangenheit, kann ich heute nicht glücklich werden.

Meine Freunde melden sich nie bei mir und interessieren sich gar nicht für mich, deswegen geht es mir voll schlecht.

Meine Kinder und der Haushalt vereinnahmen mich so sehr und mein Mann unterstützt mich gar nicht, das macht mich wütend und brennt mich aus.

Die letzte Präsentation war wohl nichts, aber war ja von Vornherein klar bei der kurzen Deadline vom Chef.

Wie du weißt nicht, wo wir längs müssen? Ich dachte du hättest dich darüber informiert! Jetzt kommen wir deinetwegen zu spät!

Kommen dir diese oder ähnliche Sätze bekannt vor? Das ist quasi „normal“, wir haben es uns als Strategie angeeignet den Fehler bei den anderen zu suchen und denen die Schuld an unserer Misslichen Lage zu geben. Das ist ja schließlich einfacher, als wenn ich mich intensiver mit der Thematik auseinandersetze und wir uns mit uns selbst vertrauter machen. So denkt die ganze Gesellschaft. Es wird nach Fehlern förmlich gesucht, um ihn dann dieser einen Person zuzuschieben. So läuft es in vielen Unternehmen, Familien, Freundschaften, Partnerschaften. Und so läuft es schon immer quasi. Auch ich bin eine Verfechterin des „Schuld bei den anderen Suchen“ gewesen. So kann man die Dinge viel schneller abhaken und muss sich nicht mit tiefgründigeren Themen beschäftigen, sondern kann schnell zur nächsten Aufgabe hetzen.

Root-Cause-Analysis

In meinem Studium habe ich unter anderem gelernt, dass es z.B. bei der Fertigung von Produkten eine Root-Cause-Analysis gibt. Diese wird dann durchgeführt, wenn Produkte Mängel aufweisen. Die Root-Cause-Analysis soll dazu beitragen nicht die Symptome zu bekämpfen wie „wir haben zu wenig Mitarbeiter, wir müssen mehr einstellen“ sondern die ursprünglichen Ursachen der Mängel aufzudecken „die Mitarbeiter brauchen besseres Werkzeug, um produktiver und fehlerfrei arbeiten zu können“. Klingt logisch, oder? Nicht immer nur Symptome bekämpfen, denn das ist ineffizient, sondern die Wurzel des Übels herausfinden und eine Lösung entwickeln. Klappt ja gut in der Wirtschaft, aber wie sieht es auf der menschlichen Eben aus? Da kämpfen wir die ganze Zeit gegen die Symptome an, aber wir gehen denen nie auf den Grund. Das würde womöglich unser Innerstes, unsere Verletzlichkeit zeigen und das bedeutet Schwäche, und ich darf in der heutigen Gesellschaft keine Schwäche zeigen. Vertrauen ist gut, Kontrolle ist schließlich besser. Also muss ich alles kontrollieren: Mich selbst, meine Gefühle, meine Gedanken, meine Gestik, meine Mimik – einfach alles. Je weniger die anderen somit an mein wahres Ich und meine Wurzeln kommen, desto mehr kann ich kontrollieren und werde dementsprechend auch nicht bestraft. Immer nur an der Oberfläche kratzen, bloß nicht zu tief einsteigen Und wenn es eines Tages bröckelt, dann geb‘ ich jemand anderem die Schuld und die Maske ist wiederhergestellt.

Ganz ehrlich: BULLSHIT. Wir machen uns alle tagtäglich etwas vor. Ernsthaft? Und das nur, weil sich „Stärke“ im Sinne von „Leistung“ „Null-Fehler-Toleranz“ etabliert hat? Ganz dicker Daumen runter.

Wie wäre es, wenn wir einfach mal ehrlich zueinander sind? Wir wäre es, wenn wir offen und ehrlich eine Root-Cause-Analysis bei uns selbst durchführen? Uns mit unseren Gedanken und Emotionen in Ruhe und reflektiert auseinandersetzen? Dann sähen die oberen Sätze womöglich wie folgt aus:

Die Vergangenheit ist ein Teil von mir und es ist geschehen, was geschehen ist. Ich liebe meine Familie, sie hat ihr bestes gegeben. Mein Glück ist nur abhängig von mir selbst. Ich weiß zwar noch nicht, wie ich es erreichen kann aber ich werde an mir arbeiten, um meine Bedürfnisse herauszufinden. Eventuell unterstützt mich meine Familie dabei.

Ich habe mich eine ganze Zeit lang nicht bei meinen Freunden gemeldet und sie ausgeschlossen aus meinem Leben. Es geht mir zwar schlecht, doch wenn meine Freunde das wissen würden, wären sie auch für mich da. Ich werde mich einfach bei ihnen wieder melden.

Mein Mann arbeitet viel, um für die Kosten aufzukommen. Er bekommt gar nicht mit, dass ich ebenfalls viel zu Hause mache und nicht mehr kann. Ich werde mit ihm reden, dass ich mehr Unterstützung brauche, uns fällt sicherlich eine gute Lösung ein.

Die letzte Präsentation habe ich vermasselt. Ich hatte zu wenig Vorbereitungszeit und habe nicht genug recherchieren können. Das nächste Mal werde ich mit meinem Chef sprechen und die Deadline entsprechend nach hinten schieben.

Eigentlich ärgere ich mich, weil ich mir vorher keine Gedanken gemacht habe wie wir dahinkommen und zu spät losgefahren sind. Beim nächsten Mal organisiere ich das besser.

Es ist zwar schmerzhaft sich mit seiner eigenen Verletzlichkeit auseinanderzusetzen, anstrengend nach seinen eigenen Bedürfnissen und Grenzen zu suchen und diese auch aufrechtzuerhalten und das ganze auch noch mit anderen zu kommunizieren, doch so leben wir ein authentischeres Leben. So kommen wir immer mehr raus aus dem Mangel und Schuld Gedanken hin zur Übernahme von Verantwortung für unser eigenes Leben und Glück. Jemandem die Schuld zu geben bedeutet, ihm Macht zu geben: Macht über deine Fehler, dein Leben, dein Glück. Willst du das? Ich denke nicht! 🙂

Also nimm dein Leben und dein Glück selbst in die Hand und probiere mal was Neues aus: Erkenne deine alten Muster, reflektiere dich selbst, lass Emotionen aufkommen, sprich offen darüber – und lebe einfach ein authentischeres Leben.